Emder Synode gehört zur reformierten Identität

Der Tagungsort der Synode 1571 bildete die Kulisse für den Festakt (Foto: Axel Pries)

Die Evangelisch-reformierte Kirche und die Stadt Emden haben am Donnerstag, 10. Juni, das Jubiläum 450 Jahre Emder Synode mit einem Festakt in der Emder Johannes a Lasco Bibliothek gefeiert. Wegen der Corona-Pandemie musste die Feierstunde auf Publikum verzichten und wurde als Livestream im Internet übertragen. In Emden lag der sogenannte Inzidenzwert in der vergangenen Woche noch deutlich über 100.

Vor 450 Jahren, vom 4. bis zum 13. Oktober 1571, versammelten sich in Emden 29 Theologen und Kirchenälteste, um zu beraten, wie sie ihren neuen, reformatorischen Glauben leben und organisieren können. Später wurde das Treffen Emder Synode genannt. Die Delegierten, alle aus Flüchtlings- oder Untergrundgemeinden, entwarfen eine revolutionäre, nicht-hierarchische Kirchenordnung. Ihr erster Satz steht noch heute in leicht abgeänderter Form in der Kirchenverfassung der Evangelisch-reformierten Kirche: „Keine Gemeinde soll über andere Gemeinden, kein Pastor über andere Pastoren, kein Ältester über andere Älteste, kein Diakon über andere Diakone Vorrang haben oder Herrschaft beanspruchen.“

Die Kirchengeschichtsexpertin Irene Dingel bezeichnete die Emder Synode als einen „Erinnerungsort des reformierten Protestantismus“. Die Direktorin des Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz sagte in ihrer Festrede: „Emden führt zu Recht den Ehrentitel der ‚Moederkerk‘ der europäischen Reformierten“. Die Emder Synode sei ein Knotenpunkt der reformierten Kirchengeschichte, der „den Graben zwischen Historie und Gegenwart“ überwinde. Sie gehöre zur evangelisch-reformierten Identität. Heute stehe die Emder Synode für eine „Willkommenskultur, die Offenheit und Integration in eine gute Balance bringt.“

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) stellte die Emder Synode in eine Reihe mit der Barmer Theologischen Erklärung von 1934, mit der die Bekennende Kirche dem Allmachtanspruch des Nationalsozialismus widersprach. Schäuble sandte eine Videobotschaft nach Emden. Beide Erklärungen hätte eine gemeinsame Basis: „Christen handeln allein im Sinne Jesu Christi, die Kirche ist nur Gott verpflichtet.“ Schäuble nannte es angemessen, die Emder Synode „herausgehoben zu würdigen“.

Mit einem Grußwort gratulierte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Er bedankte sich bei der Evangelisch-reformierten Kirche und Kirchenpräsident Martin Heimbucher für die starke Unterstützung des Bündnisses für die Seenotrettung im Mittelmeer, das die EKD 2019 initiiert hatte. Die vor 450 Jahre entstandene Haltung, geflüchtete Menschen willkommen zu heißen, präge die Reformierte Kirche bis heute, so Bedford-Strohm. Die Vizepräses der Protestantischen Kirche der Niederlande (PKN), Jeanette Galjaard betonte die Bedeutung der Emder Synode für die Kirchenentwicklung in den Niederlanden und vieler anderer protestantischer Kirchen weltweit.

Kirchenpräsident Marin Heimbucher findet es beispielhaft, „wie in Krisenzeiten Wegweisendes gedacht und getan werden kann“. Auch dafür stehe die Emder Synode. Ihr zweiter Grundsatz sei ebenfalls zukunftsweisend: Jede Kirchengemeinde regelt ihre Angelegenheiten selbst und die Synode entscheidet nur über das, was in der Gemeinde nicht entschieden werden kann. So viel wie möglich, soll auf der untersten Ebene entschieden. Heute werde dieses Prinzip Subsidiarität genannt und präge den demokratischen, föderalen Staat und auch die EU.

Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff zeigte sich glücklich, Oberbürgermeister einer Stadt zu sein, „in der solch ein besonderes und historisch bedeutsames Ereignis stattfinden konnte.“ Die Emder Synode habe europäische Ausstrahlung und klinge bis heute nach. „Denn: Emden ist auch heute Reformationsstadt Europas.“ Die Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa (GEKE) habe die Seehafenstadt 2017 als erste Stadt Europas mit diesem Titel ausgezeichnet.

10. Juni 2021
Ulf Preuß, Pressesprecher

Zum Livestream des Festaktes auf reformiert.de

Der Livestream bei YouTube

www.emder-synode-1571.de


Fotos oben: 1 - Alle Beteiligten vor Ort vor der Kulisse des Tagungsortes der Emder Synode, der alten Stadthalle Emdens: Vorn von links: Kirchenpräsident Martin Heimbucher; Irene Dingel (Direktorin des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte Mainz) , Heinrich Bedford-Strohm (Ratsvorsitzender der EKD), Tim Kruithoff (Oberbürgermeister der Stadt Emden); hinten: das Ensemble Concerto Foscari unter Leitung von Alon Sariel
2 - Irene Dingel (Direktorin des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte Mainz)
3 -Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble
4 - Durch die Kamera:
Heinrich Bedford-Strohm (Ratsvorsitzender der EKD)
5 - Kirchenpräsident Martin Heimbucher
6 - Tim Kruithoff (Oberbürgermeister der Stadt Emden)
7 und 8 Das Ensemble Concerto Foscari unter Leitung von Alon Sariel
(Fotos: Axel Pries und Ulf Preuß)

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