Gegen das „Wir und die“

Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden (Foto: Ulf Preuß)

Ein Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und zwei Wochen vor der niedersächsischen Kommunalwahl hat Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden vor einer Politik des „Wir“ und „die“ gewarnt. In ihrer Predigt am Sonntag (30. August) in der reformierten Kirche in Leer-Loga rief sie dazu auf, Unterschiede zwischen Menschen nicht zur Grundlage von Ausgrenzung zu nutzen.

Bei der Wieden sprach über den Konflikt in der frühen christlichen Gemeinde. Dort habe sich damals eine Sprache vom „Wir“ und „die“ entwickelt: Einheimische gegen Zugezogene, Etablierte gegen vermeintliche Nutznießer. Die biblische Geschichte berichte, wie die junge Kirche den Konflikt überwunden habe. Menschen unterschiedlicher Herkunft seien an Verantwortung und Leitung beteiligt worden.

„Wir“ und „die“ seien auch heute ein gesellschaftliches Problem, sagte die Kirchenpräsidentin: Worte wie „Wir Deutsche und die Ausländer“, „wir Gesunde und Starke und die Schwachen. Politische Kräfte nutzten diese Unterscheidung gezielt, um Ängste vor Benachteiligung zu schüren und Gesellschaft und Rechtsstaat zu zersetzen. Mit Blick auf die anstehende Kommunalwahl warb sie für Zusammenhalt und Menschen, nicht gegeneinander auszuspielen.

Kirche müsse sich solchen Entwicklungen entgegenstellen, zugleich aber zeigen, „dass und wie es auch anders geht“, sagte Bei der Wieden. Entscheidend seien Empathie und Barmherzigkeit sowie die Suche nach dem Verbindenden und der Schutz von Minderheiten.

Auch für die anstehenden Kirchenwahlen im März 2027 sieht die Kirchenpräsidentin Orientierung in der Apostelgeschichte. In Kirchenräten sollten Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Erfahrungen vertreten sein – auch Menschen anderer Herkunft oder solche, die bislang wenig Zugang zur Kerngemeinde haben.

30. August 2026
Ulf Preuß, Pressesprecher

Zurück